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Reformen, Reformen, das Land bräuchte dringend Reformen. Es mangele nicht an Vorschlägen, liest man in letzter Zeit oft,
es hapere aber an der Umsetzung. Aber welche Reformen braucht man wirklich, wenn doch das wichtigste Lebensqualität, Wohlstand, Gesundheit,
also irgendwie Glücksgefühle sind. Man soll sich ja nicht kasteien, damit irgendeine Partei von sich sagen kann, wir waren es,
die endlich wieder Wachstum in die deutsche Wirtschaft hineingebracht haben, um dadurch dem Ego weniger Parteifunktionäre zu noch
mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen, obwohl diese längst ausgesorgt haben, im Unterschied zu vielen der zum
Durchschnitt Beschäftigten. Natürlich würden diese Parteifunktionäre sagen, seht ihr, gerade darum brauchen wir Wachstum,
denn im Unterschied zu uns, habt ihr nicht ausgesorgt, und ihr wisst ja, wie es sein könnte, wenn ihr noch viel weniger haben
würdet - also solltet ihr Euch besser für unser Parteiziel, das endlich Wachstum her muss, bitteschön auch einsetzen.
Nur einige der Vorschläge, wie Wachstum her soll, sehen gar nicht vor, dass sich nach wie vor dieselben Menschen abmühen: Damit meine
ich, dass es durchaus in der Vorstellung gerade konservativ Denkender in leitenden Funktionen ist, dass sowohl in der öffentlichen Verwaltung
als auch in der Administration von Unternehmen KI gesteuerte Prozesse das Abarbeiten von Geschäftsvorfällen wesentlich verschlankt, was nichts
anderes bedeutet, als dass gesagt wird, Du, lieber Angestellter, bist nicht mehr lebenswichtig für unser Unternehmen, und wir als
Chefs überlegen uns, wie wir kostengünstiger ohne Deine Stelle auskommen. Das mit dem kostengünstig ist natürlich so eine Sache,
denn wenn kürzlich gesagt wurde, ein bestimmtes KI Unternehmen sei jetzt 900 Mrd. USD wert, dann müssen Unternehmen weltweit durch
den Kauf von KI Produkten auch dafür sorgen, dass diese Bewertung nicht enttäuscht wird, sonst verlieren Investoren viel Geld.
Dabei ist es sowieso schade, dass immer mehr Unternehmen in Deutschland Investoren gehören. Über die Kaufhauskette Galeria habe ich
gelesen, wie schwer es ist, die Miete für die Warenhäuser aufzubringen, die Galeria nicht gehören. Und die mittlerweile gemieteten Objekte
gehören in vielen Fällen Investoren, Fondsgesellschaften oder soll ich jetzt "Hedgefonds" sagen? Dann habe ich weiterhin gelesen,
dass ein Mindertheitsgesellschafter von Galeria, auch so ein Investor, der Kaufhauskette Geld leiht, aber zu einem sehr hohen Zinssatz.
Die Beteiligung ist nicht viel wert, und das soll jetzt durch Zinszahlungen genau von der Gesellschaft, an der man beteiligt ist,
kompensiert werden. Natürlich setzt die Bestellung über´s Internet und dann Lieferung bis zur Haustür vielen Warenhäusern mit großer Fläche zu.
Nicht allen in der Gesellschaft gibt es ein Glücksgefühl, ein zumindest im Eingangsbereich pommpös aufgemachtes Kaufhaus mit einer
Auswahl an hunderten Parfums zu betreten und dort einzukaufen. Dann sind es vorwiegend ältere oder alleinstehende Ältere, die gerne bei
Galeria frühstücken, nicht nur, weil es günstig ist, sondern weil man nicht allein, sondern überwiegend mit auch älteren in Gesellschaft ist und
sich vielleicht in einem Café mit überwiegend sehr jungen Menschen nicht so wohl fühlen würde. Also KI spielt hier keine Rolle. Es gibt bei
Galeria Menschen, die dort beschäftigt sind, physisch ausgestellte Produkte, die man begutachten kann; und wenn KI gestützte Kameras Galeria helfen würden,
in dem Sinne, auf welche Produkte in welchen Farben etc. bleiben die Augen der Kundschaft länger gerichtet, also wenn das helfen würde, die
Verkäufe zu steigern und die Produkte zur Ausstellung besser auszuwählen, dann würde es Galeria wirtschaftlich besser gehen. Also KI steigert
das Glücksgefühl des Lebens nicht unbedingt. Und wenn ein KI Unternehmen, das mit 900 Mrd USD bewertet sein soll, fünf Billionen USD weltweit an
gesellschaftlichen Kosten in Form von Arbeitslosigkeit verursacht, dann hat KI wahrscheinlich auch nicht das Glücksgefühl der
verbliebenen Mitarbeiter gesteigert, auch nicht das von Politikern, die für Haushaltslöcher immer mehr Kredite aufnehmen müssen...Allerdings war es so,
dass als der PC Einzug an praktisch jeden Büroarbeitsplatz hielt und dann auch in immer mehr und mehr Haushalte, dieser nicht nur das Arbeitsleben
aufwertete und spannender machte, weil technologiegestützt, sondern der PC an Büroarbeitspätzen konnte auch wesentlich zu Produktivitätsfortschritten
beitragen, ohne dass es zu einem Verlust an Arbeitspätzen gekommen wäre. Während meines Studiums machte ich in der zweiten Hälfte der 80er
Jahre Praktika bei Unternehmen, in denen ganze Abteilungen keinen einzigen PC hatten oder bei denen die Digitalisierung aller
Arbeitsplätze gerade eingeführt wurde. Die Digitalisierung aller Büroarbeitsplätze in Europa fiel also irgendwie, mag es ein Zufall gewesen sein, mit dem
Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung zusammen. Ob die DDR oder Russland bis dahin weniger abspitzeln konnten, weiß ich nicht, zumindest
taten sich nach der deutschen Wiedervereinigung viele Unternehmen leichter, die Büroarbeitspätze mit mehr Technologie auszustatten. Wer aber heute
glaubt, dass KI Kosten in Form einer reduzierten Anzahl an Büroarbeitsplätzen einspart, und dass wir dadurch mehr Wachstum bekommen würden, der
mag sich gewaltig täuschen. Was haben die freigesetzten Mitarbeiter als Arbeitslose noch zum Ausgeben? Was bedeutet das für Steuereinnahmen von
Bund, Ländern und Gemeinden? Und so ist es auch schon sehr, sehr lange: Mit Investitionen, selbst wenn die nicht immer einen wirklichen
Fortschritt bedeuten, und bei denen manchmal Geld teilweise einfach nur verplämpert wird, lassen sich mehr Steuern einsparen als durch den
Erhalt oder das Schaffen zusätzlicher Arbeitsplätze. Und so wird es auch mit der Einführung teurer KI sein. Jetzt, wo die KI Unternehmen
ihre KI Modelle "trainieren" müssen, wird die gratis oder zu geringen Kosten verteilt. Irgendwann wird KI sehr teuer bezahlt werden müssen.
Und natürlich werden KI einführende Unternehmen durch teure KI mehr Steuern einsparen, als durch den Erhalt von Arbeitsplätzen.
Aber jetzt zu den wirklich "lebenswichtigen" Bereichen unserer Gesellschaft. Was sich ja anscheinend nur ganz schwer reformieren lässt -
und Reformation bedeutet hier nichts anderes, als die Kosten müssen runter - ist das Gesundheitswesen. Natürlich wird man nicht an Personalkosten
einsparen können, selbst wenn der ein oder andere Arzt in Krankenhäusern sehr gut verdienen sollte. Aber aus Sicht des Gesundheitspersonals ist dies
für solch wichtige, verantwortungsvolle, teilweise risikoreiche und in jedem Fall anstrengende Jobs nicht genug. Erinnert sei an Streiks in
städtischen Krankenhäusern, und sogar Hausarztpraxen blieben streikähnlich mancherorts fallweise schon für einige Tage geschlossen. Beim
Gesundheitswesen kommt noch hinzu, als würde nicht jeder in der Gesellschaft erkennen, wie lebenswichtig diese Jobs sind, dass es hier
die wahrscheinlich größten Lobbyverbände gibt, die Veränderungen bzw. eine Reformation sehr schwierig machen. Während viele Büromitarbeiter
überhaupt keine Lobby haben und oftmals nur daran gemessen werden, ob man durch den Wegfall eines Arbeitsplatzes Kosten einsparen könnte, gilt das
so für das Gesundheitswesen nicht. Mir würde für eine Reformation hinsichtlich einer niedrigeren Belastung
von Kassen und Steuerzahlern nur einfallen, dass Patienten hinzuzahlen müssen. Weil dann die schlechter Verdienenden aber vielleicht
auf Arztbesuche verzichten könnten, was gesellschaftlich auch nicht gut ist, könnte man sagen, erst ab einer bestimmten
Einkommensgrenze muss hinzugezahlt werden. Aber da die besser Verdienenden ja ohnehin schon höhere Beiträge an die gesetzliche
Krankenversicherung zahlen, wäre das vielleicht auch nicht gerecht. Die Besserverdienen würden sagen: "Wir als Leistungsträger sollen jetzt
auch noch das Gesundheitswesen sanieren - da gibt es ja immer weniger Anreize, zu den Besserverdienenden zu gehören." Schliessen möchte ich diesen Beitrag
mit der Überlegung, ob nur derjenige, der viel verdient, wirklich ein Leistungsträger ist. Es könnte auch viele zu schlecht bezahlte Mitarbeiter
geben, die mehr sogar noch Leistungsträger sind. Nur passt dies nicht in das Weltbild von denjenigen, die sich aufgrund guter Bezahlung
selbst als Leistungsträger sehen. poum.de 17.05.2026
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